Herausforderungen im Bereich Menschen mit Behinderung in der Schweiz

Publié le: 23 Mär 2010

1. Welches sind die grössten Herausforderungen und die wichtigsten Prioritäten im Bereich Menschen mit Behinderung?

Für einen Menschen mit einer gesundheitlichen Beeinträchtigung ist eine der ersten Prioritäten bereits, eine Arbeit zu erhalten, die seinen Fähigkeiten und Grenzen entspricht. Eine gute Nutzung der Restarbeitsfähigkeit bietet die Möglichkeit, diesen Menschen aufzuwerten und ihm ein Gefühl von Nützlichkeit und Zugehörigkeit zu vermitteln.

2. Welches sind die grössten Herausforderungen nach Art der Behinderung?

Bei einer körperlichen Behinderung lassen sich normalerweise die Grenzen und die Arbeitsfähigkeit rasch klären. Eine psychische oder eine Behinderung aufgrund eines Schädelhirntraumas ist oft schwieriger zu beurteilen und erfordert besondere Aufmerksamkeit im Hinblick auf das Arbeitsumfeld. Bei einer sensorischen Behinderung reicht meist eine einfache Anpassung des Arbeitsplatzes, die von der IV finanziert wird.

3. Welche Arten von Behinderungen gibt es und was sind jeweils ihre wichtigsten Bedürfnisse?

Ausgenommen bei Menschen mit einer psychiatrischen Diagnose, für die eine Rückkehr in die Arbeitswelt oft komplizierter ist, stellen die übrigen Behinderungen keine speziellen Anforderungen. Wegen des Verlusts ihres Arbeitsplatzes sind diese Menschen häufig psychisch angeschlagen. Es ist deshalb nötig, sie zu begleiten, um ihnen die Wiedereingliederung in ein Unternehmen zu erleichtern.

4. Was kann der Privatsektor tun, um diese Bedürfnissen zu erfüllen?

Wir stellen täglich fest, dass Unternehmen bereit sind, gesundheitlich beeinträchtigte Menschen einzugliedern, wenn ihr Gesprächspartner professionell auftritt. Wir brauchen die Partnerschaft mit den Unternehmen während des gesamten Wiedereingliederungsprozesses. Sie müssen in unsere Fähigkeit vertrauen, dass wir ihnen die Personen vorschlagen, die ihre Bedürfnisse erfüllen.

5. Auf welche Weise kann ein Unternehmen die diversen Akteure dieses Sektors unterstützen?

Die qualitativ gute Definition eines neuen Projekts und ihre Validierung durch das Unternehmen erlaubt es, die Kompetenzen, Ressourcen und Grenzen einer Person in beruflicher Wiedereingliederung präzise zu bestimmen. Ausserdem erleichtert diese Abklärungsarbeit die Rekrutierung durch den Arbeitgeber enorm.

Die Unternehmen müssen sich dessen bewusst sein und müssen den Eingliederungsprozess durch die Zurverfügungstellung von Praktikumsplätzen, Mandaten für temporäre Projekte oder festen Anstellungen unterstützen. Damit das Unternehmen keinerlei Risiko eingehen muss, bieten wir ihm die Möglichkeit, unsere Dienstleistungen zum Selbstkostenpreis zu mieten.

6. Welche Organisationen gelten in diesem Feld als Referenz?

Es gibt viele Synergiemöglichkeiten zwischen öffentlichen und privaten Einrichtungen in diesem Bereich. Wir arbeiten eng mit den kantonalen Arbeitsämtern, den IV-Stellen, der Suva, privaten Versicherern und vielen anderen spezialisierten Organismen zusammen.

7. Können Sie uns ein oder zwei Beispiele für Projekte nennen, die Sie zusammen mit dem Privatsektor verwirklicht haben und deren Ergebnisse wichtige Bedürfnisse von Menschen mit Behinderung erfüllt haben?

Wie aus unserer nationalen Benchmarking-Studie über die Integration von gesundheitlich beeinträchtigten Personen in Unternehmen hervorgeht, stellen KMUs überdurchschnittlich viele dieser Personen ein. Wir können diese Offenheit der KMU-Chefs täglich feststellen und teilen mit ihnen zahlreiche Erfolgsgeschichten.

Parallel dazu haben wir eine enge Kooperation mit mehreren grossen Vertriebsketten aufgebaut. So erhalten wir beispielsweise von der Coop jede Woche Listen mit den freiwerdenden Stellen. So haben wir die Möglichkeit, potenzielle Mitarbeitende vorzuschlagen, die sich beruflich bereits durch ein Praktikum in der gesuchten Funktion bewährt haben. Ausserdem nehmen diese Partner oft Praktianten der IPT auf und stellen einige unter ihnen anschliessend sogar fest ein.

Andere Grossunternehmen beauftragen uns, ihnen bei der Suche nach einer Lösung bei der Aufrechterhaltung einer Beschäftigung oder beim Outplacement von gesundheitlich angeschlagenen Mitarbeitenden zu helfen. So können wir sehr schnell eingreifen und eine Verschlechterung der gesundheitlichen Situation der betroffenen Mitarbeitenden vermeiden.

Wo kann ich mich weiter informieren?

Unsere website lautet: www.fondation-ipt.ch

 
 

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